...Krebspatientin

Name: Kali

 

Krebs. Wie ein böses Omen schwebt es mitten im Raum. Gemeint ist weder das Sternzeichen noch das Schalentier. Gemeint ist die schwere Krankheit, die den Körper zu Grunde richtet.

Auch in meiner Familie gab es schon viele Fälle, mit unterschiedlichen Tumorarten und fast alle sind ihren Krankheiten erlegen. Umso mehr freut es mich, eine wunderbare lebensfrohe Frau interviewen zu dürfen, die sich auch auf ihrem Blog Onkobitch mit dem Thema Krebs auseinander gesetzt hat.

Bei ihr wurde im Juni 2016 Brustkrebs diagnostiziert, als sie selbst einen verdickten Achsel-Lymphknoten bei sich entdeckt hat. Statistisch gesehen ertasten die meisten Brustkrebserkrankten ihren Tumor selbst oder durch ihren Partner. Wie Brustkrebs bzw. Krebs ausgelöst wird ist leider noch unbekannt. Klar ist, dass das Immunsystems, defekte Zellen nicht erkennt und repariert oder tötet. Es gibt aber verschiedene Faktoren die Krebs auslösen können. Darunter fällt die gesundheitliche Verfassung, Ernährung, und äußerliche Einflüsse. Stress wird ebenfalls immer häufiger als ein Faktor gesehen. Kali hat inzwischen einen Großteil der langen Genesungsreise überstanden und befindet sich auf dem besten Wege zu Besserung.

 

Das Interview

Sarah von Fashion-Library: Kali, wie würdest du deine Situation in einem Wort beschreiben?

Kali von Onkobitch kurz Onko: Moppelkotze.

 

Sarah: Du hast den Tumor bzw. die Andeutung, dass etwas nicht stimmt bei dir selbst entdeckt. Nachdem der Arzt es bestätigt hatte, musstest du dich wohl oder übel mit dem Thema auseinander setzen. Wie gehst du mit deiner Krankheit um?

Onko: Ich habe mich immer sehr direkt und offen mit meiner Krebserkrankung auseinandergesetzt. Dabei spielt Humor eine wichtige Rolle im Umgang mit meiner Ex-Schakeline. Während dieser Zeit habe ich immer im „hier und jetzt“ gelebt. Ich sehe den Krebs als einen Teil meines Lebens, nicht als Ganzen auch wenn es bei mir vererbt ist und mich mein Leben lang noch begleiten wird. Wahrscheinlich mal mehr mal weniger intensiv. Schritt für Schritt an die Sache heran zu gehen war für mich sehr wichtig. Es gibt so viele Möglichkeiten wie etwas ablaufen kann, da ist es wichtig sich auf die eigene Entwicklung zu konzentrieren.

Natürlich gibtt es auch einige Nachteile. Der Körper und die Psyche sind nicht so belastbar wie vorher. Ich kann nicht mehr in meinen Beruf als Erzieherin zurück, da ich meinen Arm nicht mehr stark belasten kann um ein Lymphödem zu verhindern. Kinder sind einfach schwer. Der Stempel der einem bei einer Krebserkrankung aufgedrückt wird ist sehr groß.

 

Sarah: Wie ist denn die Behandlung an sich verlaufen, bzw. wo befindest du dich aktuell?

Onko: Meine Therapie ist bis auf die Nachsorge beendet. Heute, nach den ganzen Behandlungen, ist der Druck nicht mehr so groß- es geht nicht mehr ums Überleben. Ich habe das Glück keine Metastasen zu haben und in meiner recht positiven Lage warte ich jetzt 1-2 Jahre ab, bis ich meine Risikozeit hinter mich gebracht habe. Danach atme ich etwas mehr auf und nach 5 Jahren gelte ich dann als geheilt. Für die nächsten 5-10 Jahre steht aber auch noch eine Antihormontherapie an. Die nehme ich in Form von Tabletten ein. Mein Brustkrebs ist Hormonabhängig, dass heißt, dass dieser durch Östrogen zum Wachsen angeregt wird. Das Medikament verhindert, dass sich an die Zellen Östrogene setzen. Auch wieder eine Sicherheit. Sollte sich also irgendwo eine Krebszelle befinden, dann kann sie nicht wachsen und wird nach einiger Zeit vom Immunsystem erkannt und zerstört. Ich sage mir gelegentlich: Die Chemo hat alles lahm gelegt, die Operation ist gut verlaufen und die Bestrahlung gab dem ganzen den Rest. Die Antihormontherapie ist zur Sicherheit. Am Ende kommt es, wie es kommt, da braucht man sich jetzt keine Gedanken über das wenn und aber machen.

 

Sarah: Ich kenne es selbst von Verwandten und Bekannten, der Körper verändert sich, die Seele aber auch. Wie war es bei dir?

Onko: Zunächst gibt es da die Auseinandersetzung mit dem Kontrollverlust über sich und seinen Körper. Da kam eine Behandlung auf mich zu, die ich nur in einem gewissen Rahmen mitgestalten konnte. Chemotherapie, OP und Bestrahlung. Das anzunehmen ist nicht einfach aber Schritt für Schritt möglich. Ich habe mir dann viele Dinge gesucht, die mir gut tun, die mir Freude bereiten und mir Kraft geben. Ich habe mir also da die Autonomie geholt wo ich nur konnte. Ich habe in der Zeit mein Leben auch um einiges Bewusster erlebt. Dazu hatte ich die typischen Begleiterscheinungen der Chemo, wobei viele ausgeblieben sind. Aber das deutlichste und am wenigsten schlimmste für mich, war der Haarverlust. Dazu kamen dann Magenprobleme wegen der kaputten Schleimhäute. Ich sah dann doch etwas blass aus während der Zeit.

Die größte körperliche Veränderung ist meine Brustabnahme. Die Tumorbrust wurde komplett abgenommen sowie 11 Lymphknoten entfernt. Das ist aber immer ein Individualfall. Meine Schakeline war einfach zu groß, biestig und zu dicht an der Unterhaut. Da ich auch eine genetische Mutation in meinem Breast Cancer Gen 1 habe, habe ich mir vorsorglich auch meine zweite gesunde Brust entnehmen lassen. Dafür habe ich nun ein Silikoninplantat. An diese äußerliche Veränderung muss ich mich noch gewöhnen. So mit einer Brust gerät alles etwas aus dem „Gleichgewicht“, vor allem weil ein Busen einfach doof aussieht. (lacht) Für den Alltag habe ich eine tolle weiche Brustprotese, die ich in ein Spezial-BH lege. Den Unterschied sieht man nicht. Ich überlege immer noch auch die zweite Seite zu ebnen, denn ein Brustaufbau mit Eigengewebe kommt für mich nicht in Frage und bei der straffen Haut kommt ein Implantat auch nicht in Frage. Aber dafür habe ich noch ein Arztgespräch mit meinem Chirurgen.

Zur Psyche kann ich nur sagen: Nach der Therapie senkt sich  etwas die Belastbarkeit, erst im Nachhinein beginnt man nochmal alles zu verarbeiten und so manches mal wird mir erst jetzt bewusst, was ich alles durchgemacht habe. Am Ende bleibt alles anders. Wichtig ist für mich, mich nicht mit meinem vorigen Ich zu vergleichen, sonst fokusiere ich mich zu sehr auf die „Verluste“ Ich gewinne ja auch einfach ein anderes Bild von mir und Brüste werden eindeutig Überbewertet.

 

Sarah: Wow toll, dass du so detailliert darüber sprechen kannst. Aber das machst du ja auch auf deinem Blog. Hast du sonst noch positive Erfahrungen gemacht oder hast noch gute Vorsätze?

Onko: Genau, ich habe auch meinen Blog eröffnet und so mit ein tolles Ventil für meine Gedanken gefunden. Außerdem, ernähre ich mich gesünder und will mir noch den ein oder anderen Sportkurs anlachen. Dazu lebe ich bewusster und nehme mir das was ich will. Man wird egoistischer bleibt aber zum Glück sympathisch. Ich habe das Leben so richtig schätzen gelernt. Viele neue Freunde gewonnen und Kontakte geknüpft. Ich habe neue Prioritäten gewonnen, die auch viel gesünder für mich sind. Ich gehe mit mir und meinem Körper bewusster um. Ich genieße viel mehr als vorher! Ich bin selbstbewusster, sage was ich will und ich bin mir wichtiger geworden.

 

Sarah: Das hört sich wirklich richtig gut an und ich bin dir dankbar, dass du so offen über das Thema gesprochen hast und damit vielleicht auch anderen Betroffenen helfen kannst.

 

Kalis Message an alle Krebspatienten: Der Himmel ist blau auch wenn ein Teil von mir verrückt spielt. Finde deinen Weg mit deiner Erkrankung umzugehen, jeder ist da unterschiedlich. Für manche Dinge braucht man seine ganz persönliche Zeit. Höre also auf dein Herz. Und lachen,weinen, motzen ist erlaubt! Je besser es dir geht um so besser kommt man auch mit den Nebenwirkungen zurecht. Höre nicht auf, deinen Alltag wie bisher zu gestalten, natürlich dann mit den vorhandenen Kraftreserven. Wende dich den Dingen und Menschen zu, die dir gut tun.

Ihr habt auch was zu berichten, wollt euren eigenen Erfahrungsbericht zu verschiedenen Themen bereitstellen?

Dann einfach den link folgen: zum Aufruf.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0