Reime, Reisen und SBA2016

Zu meiner "Reisetasche". Da ich für gewöhnlich nicht reise, sondern eher nur mal unterwegs bin, nehme ich meist eine handliche Handtasche, wie der Name auch sagt, mit und da passt allehand rein, sogar in den Ecken hängt Staub.

 

"Ich packe meinen Koffer und nehme mit,

einen Tritt

für die Leiter,

denn das bringt mich weiter.

Nach oben wollen alle Blogger, insbesondere auch ich

und deswegen mache ich mich,

auf eine Reise,

ganz heimlich still und leise

in ein unbekanntes Land.

Und auf dem Weg gibt es allerhand

Reime."

 

Ich bin also auf meinen Weg nach Wunschbergen, einem Ort meiner Phantasie.

Er liegt in Traumland gleich neben Reimbach. Ohne meinen Gepäck gehe ich natürlich nicht auf diese Reise, denn unterwegs muss ich mich ja allen möglichen Situationen stellen, die einem das Leben bereit hält. Und deshalb brauche ich auf meiner Reise des Lebens auch manchmal viel unnötiges Zeugs, wie zum Beispiel einen NASENHAARTRIMMER, aber man weiß ja nie, ob man den vielleicht doch nicht mal braucht.

Die DUFTKERZE packe ich auf jeden Fall ein, denn ich kann besonders gut reimen, wenn es um mich herum gut riecht, dann werden meine Gedanken frei. Falls mir zwischendurch mal langweilig wird, habe ich einen "H&M"-KATALOG  zum blättern dabei. Manchmal bastel ich mir wie früher so kleine Kartonpuppen. Dann kann ich die Kleidung aus dem Katalog ausschneiden und den Puppen anziehen. Die LANDKARTE VON TASMANIEN  habe ich dabei, falls mich jemand fragt, wohin ich will. Ich kann ja schlecht sagen, dass ich nach Wunschbergen in Traumland nahe Reimbach will. Das glaubt mir doch eh keiner.

Zu meiner Verteidigung habe ich einen VOLLEYBALL-SCHLÄGER  dabei. Ja einen Volleyball-Schläger. Die Erfindung des Jahrhunderts. Das ist so ein zusammenklappbarer Sportler, im Handtaschenformat. Auf Kommando schmettert er Volleybälle auf meine Gegner los oder was mir sonst so im Weg steht.

Fall mein Alter-Ego "Die Frau mit Bart" wieder zum Vorschein kommt, brauche ich natürlich auch meinen ZYLINDER . Hmm, was packe ich noch in meine Reisetasche?

Achja eine TÜR natürlich. Jeder braucht eine Tür. Was ist, wenn sich eine Tür schließt? Dann muss sich ja eine andere Tür öffnen. In diesem Fall habe ich halt immer eine dabei.

Außerdem habe ich noch eine eigene TOILETTE in meinen Koffer. Denn wenn man bedenkt, wie versifft manche Klos sind, dann will man eben seine Eigene dabei haben.

Und schlussendlich nicht zu vergessen: ein wunderschönes kleines rot-grün gestreiftes, lila-gelb gepunktetes, schlicht schwarzes GEHEIMNISSVOLLES KÄSTCHEN  habe ich dabei. Über den Inhalt erfahrt ihr später mehr.

 

Gerade habe ich den Torbogen passiert und nun wandere ich unterm Regenbogen und befinde mich auf den rechten Weg.

"Links müssen Sie gehen

oder war's ein Versehen?",

spricht mich ein Männchen an.

"Männchen, warum ist dir klar,

welcher Weg es denn war?.",

 

antworte ich fragend und noch ein wenig holprig.

 

"Du bist hier schon im Reimeland,

da weiß man allerhand.

Und ich sag es gerade heraus:

Dreimal links ist wieder geradeaus."

 

Schnell hole ich meine Landkarte von Tasmanien vor und grummle:

 

"Kann wohl nicht richtig auf die Karte sehen,

wollte doch nur nach Tasmanien gehn."

 

Doch natürlich schlage ich den linken Weg ein, da ich mal davon ausgehe, dass das Männchen ein Ortskundiger ist.

Ich bin noch gar nicht weit gekommen da sehe ich einige Personen mit ihren Handys rumhantieren. Leider hören sie mich nicht und antworten auch nicht, was auch nicht einfach ist, wenn man mich nicht hört. Doch mit meinem geschulten Blick benötige ich kein Handy um zu sehen was los ist. Die Personen jagen Pokémons. Und da sehe ich es auch. Ein wildes Seppo. Schnell lege ich mir meinen Bart an und setze meinen Zylinder auf, damit es mich nicht erkennt. Denn als Frau mit Bart habe ich die besondere Fähigkeit als Satirikerin wahrgenommen zu werden, wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Das wilde Seppo steht nun vor mir und schaut mich argwöhnisch an.

"Blog. Blog.",

 

ruft es. Irritiert, weil es nicht mit mir in Reimen spricht, es sei denn es war der kürzeste Reim der Welt, laufe ich schnell weiter.

Unterwegs verstaue ich den Hut wieder in meinem Koffer. Den Bart lasse ich einfach unterwegs liegen. Irgendetwas kitzelt mich in meiner Nase.

 

"Meine Güte, was ist mit der Nase los.

Das wird ja immer schlimmer.

Ah, der Bart war zu groß.

Zum Glück hab ich meinen Nasenhaartrimmer.",

 

juble ich und befreie mich von den Resten.

Langsam wird es dunkel und es ist Zeit sich auszuruhen. Die Himmel hat eine Sonnenbrille aufgesetzt und sich verdunkelt. Ich setze mich auf einen Baumstamm und zünde mir in Ruhe meine Duftkerze an und lese in meinem H&M-Katalog. Ein Kaninchen hüpft vorbei und fängt an mich vollzuquatschen:

 

"Was machst du da? Was machst du da?

Bist du Mensch oder bist du Narr?

Was machst du da? Was machst du da?

Was hast du für schönes Haar.

Was machst du da? Was machst du da?

...Oh, komm mich nicht so nah!"

 

Das Kaninchen weicht von mir zurück. Möglich, dass es an meinem Schatten lag, den die Duftkerze auf den Baum hinter mir geworfen hat. Ich hätte  mich auch vor einem Narren erschreckt.

 

"Nerv mich nicht, nerv mich nicht,

du kleiner plüschiger Wicht.",

 

antworte ich gereizt. Schnell baste ich eine meiner berühmten Kartonpuppen und ziehe ihr ein gelbes Sommerkleidchen an.

"Oho, oho,

wie bin ich froh.",

 

ruft das Kaninchen entzückt. Ich auch, denke ich mir, weil es jetzt endlich jemanden zum Reden hat.

Innerhalb weniger Minuten ist die Nacht vorrüber und ich fühle mich richtig ausgeschlafen. Schnell gehe ich noch auf meine Toilette und setze meinen Weg fort.

Vorbei an den Flüssen in denen Milch und Honig fließen und vorbei an dem Berg aus Griesbrei. Hin und wieder fliegen mir gebratene Hähnchen um die Ohren. Es erinnert mich an das Schlaraffenland. Alles quatsch, denke ich mir. Schlaraffenland gibt es nicht.

Ich schwebe mit einer Wolke über eine Schlucht und sehe schon von weitem Wunschbergen. Jetzt ist es nicht mehr weit.

Plötzlich wird es um mich herum immer dunkler und ungemütlicher. Ein Wald voller Disteln und Brennesseln und Dornen. Wie gut, dass ich meinen Volleyball-Schläger dabei habe. Er drescht mit so einer Wucht auf die Bälle ein, dass selbst das Unterholz nachgibt.

 

"Fürchte dich nicht und geh einen Schritt

und nimm auch ja dein Kästchen mit.",

 

tönt es plötzlich über mir, aber ich kann niemanden sehen. Dieses Reimbach geht mir langsam auf den Keks, aber sobald ich den Berg in Wunschbergen bestiegen habe, muss hier niemand mehr in Reimen sprechen.

 

Oben angekommen genieße ich erstmal die Aussicht, gönne mir noch etwas Duftkerze zur Entspannung und lasse den Volleyball-Schläger noch ein paar Bälle werfen.

Und wie ich da so sitze und meinen Gedanken freien Lauf lasse, erscheint ein ganz besonderer Mensch aus meinem Leben. Ein Mensch, der mir vor vielen Jahren abhanden gekommen ist, weil er davon gegangen ist. Also über den Jordan. Tot eben.

Jedenfalls diese mir extrem wichtige Person, an die ich wirklich sehr oft denke, steht vor mir und lächelt mich an. Wie oft habe ich mir gewünscht sie nocheinmal wieder zu sehen und nun steht diese Person vor mir.

"Hi.", winke ich der Person zu und kurz darauf krame ich in meiner Tasche. Ich hole mein wunderschönes kleines rot-grün gestreiftes, lila-gelb gepunktetes, schlicht schwarzes geheimnisvolles Kästchen hervor und übergebe es der Person. "Das möchte ich dir gerne schenken.", sage ich. Die Person öffnet das Kästchen, schließt es darauf wieder und sagt: "Darauf werde ich gut drauf aufpassen, bis du es dir eines Tages wieder von mir abholst."

Ich weiß, ich habe auch auf Wunschbergen keine Zeit für Fragen oder große Gefühle und so müssen wir uns auch wieder verabschieden. Ich sehe, wie die Person durch eine Tür geht, die plötzlich aufgetaucht war und sich hinter ihr schließt. Im selben Moment ist die Tür dann auch wieder verschwunden.

Wie gut, dass ich meine Tür dabei habe. "Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.", sage ich laut und ziehe die Tür aus meiner Tasche. Wie gut, dass es eine Mary Poppins Tasche ist. Bevor ich die Tür öffne, schaue ich mich nochmal kurz um und denke mir: Ich habe der Person alles gegeben, was ich geben konnte. Meine Kreativität, meine Wut, meine Trauer, meine Liebe, meine Gedanken, meine Stille, meine Seele, einfach alles. Ich habe ihr mein Leben anvertraut, auf das sie von nun an achten soll.

Und so verlasse ich durch die Tür Wunschbergen in Traumland nahe Reimbach.

Dies ist ein Text im Rahmen der #sba2016 Seppoblog Auszeichnung. Ich habe mich für die dritte Runde qualifiziert und hoffe mich mit diesem irren Text auch für die vierte Runde zu qualifizieren.

 

Hier geht es zu meinem Fragebogen aus Runde 2.

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Kommentare: 2
  • #1

    Seppo (Samstag, 13 August 2016 11:01)

    Danke!

  • #2

    FAIRY TALE GONE REALISTIC (Montag, 15 August 2016 13:17)

    Liebe Sarah,
    sehr coole Geschichte! Ein bisschen verrückt, aber wirklich amüsant!
    Ich wünsch dir viel Glück für den Wettbewerb!
    Liebe Grüße
    Susi