Wundmanagement und weitere Wörter

Vor wenigen Tagen fuhr ein Auto vor mir, auf dem stand "Wundmanagement". Wir mussten zweimal hinsehen, um zu Verstehen, worum es sich hierbei handelte. Es war ein Auto eines Dienstes für häusliche Pflege. In diesem Fall ist Wundmanagement nichts anderes als Wundversorgung, also die Behandlung von Wunden und damit einhergehenden Belastungen.

 

Diese Wort gab mir zum Anlass über kreative WORTNEUSCHÖPFUNGEN nachzudenken und dabei ist mir aufgefallen, dass gerade in den letzten Jahren im Bereich der Berufsbezeichnungen sich einiges getan hat. Der Hausmeister wurde zum Facility Manager, die Putzfrau zur Raumpflegerin und der Bademeister zum geprüften Meister für Bäderbetriebe. Und auch aus der Friseuse wurde erst die Friseurin und dann die Hairstylistin. Man hat den Eindruck, dass viele Berufe durch die neuen Bezeichnungen AUFGEWERTET werden sollen. Ich meine, es hört sich doch besser an, ein Key Account Manager zu sein, als ein Vertriebler für Hauptkunden. Noch dazu wirkt es internationaler durch den deutlichen Hang in die englische Sprache.

Doch wer blickt in dem ganzen Berufewirrwar durch?

Letztendlich verdient die Raumpflegerin deswegen auch nicht mehr, nur weil sie nun Raumpflegerin heißt. Eine Gehaltsanpassung nach oben gab es bei den Wortschaffungen leider nicht.

Außerdem denke ich hierbei an unsere alte Generation, die nicht mit der englischen Sprache aufgewachsen ist. Zum einen können die die Wörter gar nicht aussprechen, noch wissen sie wer vor ihnen steht, wenn der Facility Manager vorbeikommen will. "Fazi was?", heißt es dann.

 

Doch Wortneuschöpfungen gibt es nicht nur im beruflichen Bereich. Gerade in der Ära des Blogs, des Twittern, des Surfen, des Whats Appen und des swaggen, gibt es kaum noch deutschsprachige coole Worte. Schon allein das Wort "cool" ist englisch und bedeutet roh übersetzt lediglich kühl. Und dabei ist "cool" schon so alt.

Selbst Yolo und Swag und Hipster sind schon wieder OUT.

Eine Zeitlang war Emo in und dann Indie. Die Gamer daddeln, die Nerds sind Underdogs und die neue Blogposts werden angeteasert.

ANGETEASERT auch so ein Wort. Eigentlich englisch (Teaser), aber durch das Vorwort "an" eingedeutscht. Lustiger Weise übersetzt Google dieses Wort mit "harte Nuss". Für uns bedeutet es aber eher: einen Anreiz schaffen.

Ich mit meinen noch 29 Jahren, habe schon Schwierigkeiten den ein oder anderen Sprachfetzen zu folgen und das, obwohl ich selbst viele davon nutze. Ich frage mich, wie es sein wird, wenn ich mal Kinder habe und die so 15 Jahre alt sind. Komme ich dann etwas nicht mehr mit. Oder bin ich dann noch voll drin?

Schon jetzt ist es funny, wenn jemand aus der Verwandschaft (ü 50) versucht das ein oder andere Wort auszusprechen. Da wird aus der Hundefuttermarke "Real Nature" mal eben Re al Natur (deutsch gesprochen) gemacht und Unitymedia wird United Media (zwar englisch gesprochen, aber nicht korrekt gelesen).

Oder wir sitzen bei einem Familienessen und wir Enkel sollen unseren Großeltern was über unseren Job erzählen. Gar nicht so einfach bei den vielen Begriffen. Angefangen zu erklären und zu beschreiben, was ein Computer macht, was ein Online-Handel ist oder was ein Smartphone kann. Da fällt man dann wieder in die Vergangenheit, erzählt von Handys mit Bildschirmen ohne Knöpfe, von Fotoalben, die im Handy sind und für alle sichtbar (Instagram) oder von Autos die umgebaut wurden, damit sie schneller sind (getuned/ gechipt).

Und da wird mir dann klar, wie normal für mich heute viele Begriffe sind.

 

Wie lautet dieses Zeichen?  #

Hashtag? Nein, eigentlich ist es eine gewöhnliche Raute oder wird gerne im Office-Bereich vor einer Zahl geschrieben und ist die Abkürzung für Nummer.

Aber wer von den jungen Leuten da draußen würde jemals Raute dazu sagen? Zur Zeit ist dieses Zeichnen einfach gemeinhin als Hashtag bekannt. Schreib das Zeichen und irgendwas dahinter: #love #followmyblog #ichbindoof

Hashtagdies Hashtagjenes. Für die Nichtenglischen: es wird Häschtäg ausgesprochen. Und OmG (Oh mein Gott) ja, ich benutze sie auch. Instagram schreibt es vor. Nutzt du sie nicht, keine likes. Nutzt du sie nicht, keine Kommis. So ist das nunmal eben, wenn man am Anfang steht und noch keine große Fanbase hat.

Und schon allein in diesem Blogbeitrag gibt es unzählige Anglizismen, Abkürzungen, Social-Media-Sprache und Jungendwörter. Wer alles verstanden hat: GZ.

THX fürs Lesen.

Eine Liste mit den skurrilsten Berufsbezeichnungen findet auf RP Online.

Hier ist eine Übersicht der neuen Berufsbezeichnungen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Karina (Sonntag, 06 November 2016 17:21)

    Die Bezeichnung Wundmanager/in finde ich schon sehr sinnvoll. Es ist eine Person die im Bereich Pflege ausgebildet ist und eine Zusatzqualifikation gemacht hat. Wundmanager werden von Menschen gebraucht die eine Wunde haben, die aufgrund einer Erkrankung, z.B. Diabetes oder venöse Insuffizienz, nicht gut heilt. Diese Wunde benötigt eine spezielle Behandlung, daher ist es gut, dass es für diese Zusatzqualifikation eine Berufsbezeichnung gibt, da betroffene Patienten so wissen an wen sie sich wenden können.