Von Bengeln zu Engeln

Ich war auf der Frankfurter Buchmesse, als mir das Buch Fuck the Föhnfrisur*  ins Auge stach. Auch der Klapptext klang spannend. Eine Lehrerin, die also umschulen möchte zur Friseurin. Zwei Berufe, so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Meike Frei, die Autorin spricht von sich selbst und ihren eigenen Erfahrungen. Hie und da etwas ausgeschmückt und dennoch realitätsnah. In dem Roman mit etwa 415 Seiten geht es um das Auf und Ab des Beruflebens.

 

Meike ist Lehrerin einer Hauptschule, übernimmt oft Vertretungsstunden, springt mal hier und mal da ein und plagt sich mit einem Haufen pubertierender Schüler herum. Zu ihren Schäfchen zählen die 8ter und die 5er. "Ey du Bitch, das ist voll pornös.", "Ich bin hier der Klassenbabo." und "Lass mal Haare wehen.", gehören zu den sprachlichen Ergüssen 14-jähriger Schüler an der Schule, wo Meike arbeitet. Neben Hasan, Kimberly und Johanna, gehören auch Alex oder Sandy zu den Schützlingen. Ob Streitigkeiten oder gegenseitiges Imponieren, alles außer dem Unterricht folgen, gehört zur Tagesordnung. Die Lehrerin wird nicht für voll genommen und von einem Unterrichtsgeschehen ist gänzlich abzusehen. So kommt es nicht selten vor, dass Meike mit Kopfschmerzen nach Hause geht oder sich in den nächsten Schultag quält.

Bei der Vorbereitung für die Praktikumswochen der Schüler, probiert die Lehrerin auch einen Eignungstest bei sich durch. Das Ergebnis: Friseurin sei angeblich ihr Steckenpferd. Nach einem himmlischen Besuch beim Coiffeurteam Engelshaar, bei dem sie selbst Kundin ist, fasst sie den Entschluss ihren Schülern ein gutes Vorbild zu sein und ein Praktikum im selbigen Friseurladen zu machen.

Es kommt wie es kommen muss. Die überdrüssige Lehrerin verliebt sich schockartig in ihren neuen Beruf und beschließt eine Ausbildung zur Friseurin zu machen. Es ist ihr egal, ob sie nun schlechter bezahlt wird, kaum Freizeit hat oder in den Urlaub kann; hier beim Friseur kann sie Menschen verschönern und Dank schlägt ihr entgegen. Doch das wird nicht so bleiben...

Meine Meinung

Wer Fack ju Göhte  gerne gesehen hat, wird auch Fuck the Föhnfrisur gerne lesen. Die bunten Erzählungen und detallierten Beschreibungen der Schule lassen den Leser selbst "Opfa"  werden und man fühlt sich direkt in die Schulzeit zurückversetzt. Während meiner Schulzeit wurde nicht so schlimm gesprochen, aber die Probleme der Schüler haben sich nicht geändert. Sogar die bissigen Schüler sind das ein oder andere Mal sehr liebenswert.

Auch der Gegensatz, also das Friseurteam und die Arbeit im Selben, wird wunderbar und wahrheitsgemäß dargestellt. Ich musste sofort an meinen eigenen Friseur denken. Auch hier fühlt man sich gut behandelt. Doch nie sieht man, wie es hinter den Kulissen abgeht. Meike Frei lässt kein Haar an der Sache und erzählt frei  heraus, wie die Arbeit als Friseurin wirklich ist und sich auch ihre Beziehung zu ihrem Freund ändert.

Besonders gut gefällt mir, dass die Emotionen Achterbahn fahren. Während der Lehrerjob anfangs das totale Negative darstellt und die Arbeit als Friseurin das totale Positive, schleicht es sich nach und nach ein, dass es zum Umgekehrten wird.

Ohne noch mehr vorwegzunehmen, kann ich jedem das Buch wärmstens empfehlen. Es wird garantiert keine Schote ausgelassen und ein Pluspunkt sind die besonderen Wortkreationen für die Namen der Friseursalons.

Das Buch ist gut für zwischendurch, ist kurzweilig und lässt sich einfach lesen.

 

(Quelle: Fuck the Föhnfrisur, Meike Frei, blanvalet, 9,99 €, ISBN: 978-3-734102332)

 

Zum Trailer:

*Das Buch wurde mir freundlicherweise von Randomhouse zur Rezension zur Verfügung gestellt.

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Kommentare: 1
  • #1

    FAIRY TALE GONE REALISTIC (Freitag, 30 Dezember 2016 15:40)

    Hallo liebe Sarah,
    ich habe schon einiges von diesem Buch gehört - bisher eigentlich nur Gutes ;)
    Hört sich tatsächlich ein bisschen nach Fack ju Göhte an und nach einer locker-leichten Lektüre!
    Liebe Grüße
    Susi